19. bis 12. Jahrhundert v. Chr.



Die ersten Gravierspindeln


Im 19. Jh. v. Chr., eventuell sogar noch wesentlich früher, kommt es dann in Babylonien, Ägypten und im ägäischen Mittelmeerraum zu einer technischen Revolution. Neben den weichen Steinen bis Mohshärte 5 werden jetzt auch Quarze mit Mohshärte 7 bearbeitet. (1)
Diese Steine konnten nicht mehr mit den herkömmlichen Werkzeugen gefeilt oder geritzt werden. Werkspuren belegen, dass erstmals rotierende Werkzeuge benutzt wurden. Man war auf die Idee gekommen, die Achse des seit langem bekannten, mit einem Fidelbogen angetriebenen vertikalen Bohrers horizontal in zwei Ständern zu lagern – damit hatte man die erste Gravierspindel erfunden.

 


Skarabäus aus durchscheinendem Karneol ( 1,6 x 1,2 cm)
Handwerker mit Fidelbogen und vertikalem Bohrer.
(Wahrscheinlich bohrt er ein Loch in ein Stück Holz)


Ca. 500 v.Chr.
 



Wie meine Kollegen vor über 3000 Jahren gearbeitet haben, ist nicht genau bekannt. Abbildungen aus dieser Zeit gibt es keine. Die einzige Abbildung einer antiken Gravierspindel ist die, welche in das Giebelfeld der Grabstele des Gemmenschneiders Doros von Sardes. 2. Jh. n. Chr. eingemeißelt wurde. Die Stele, die im lydischen Philadelpheia, also ganz in der Nähe der damals prächtigen Stadt Sardes (100km nordöstlich von Izmir, Türkei) gefunden wurde, ist seit langem verschollen, es ist jedoch noch ein Abklatsch aus Pappmaché vorhanden. Die ersten Gravierspindeln im 19.Jh. v. Chr. dürften ähnlich ausgesehen haben wie die des Doros aus dem  2. Jh. n. Chr.
Aufgrund der alternierenden Bewegung des Antriebs mittels Fidelbogen war dieses System aber nur für einfache Arbeiten zu gebrauchen. Das Drehmoment dieses Antriebs ist für große Steine nicht ausreichend. Dass mit der Spindel des Doros nur kleine Steine für Siegelringe graviert wurden, geht auch aus der Inschrift auf der Grabstele hervor: „Achtzehnjährig lieg ich, Freund, in diesem Grab, Doros von Sardes, der Siegelringschneider...“


  Gravierspindel mit aufgelegtem Fidelbogen - die Sehne ist entspannt. 2. Jh. n. Chr.

(Zeichnung nach der Spindel auf der Grabstele des Gemmenschneiders Doros von Sardes)

 

 



Vollplastischer Löwe aus Lagenachat. Mit Honig gefärbt und gebrannt.
Länge ca. 5 cm

Aus dem Königreich Elam,
aus der Dynastie der Schutrukiden.
12. Jahrhundert v. Chr.

 


Mykenische Glyptik

Gegen 1600 v. Chr. dringen indogermanische Volksgruppen entlang der Donau in Griechenland ein. Mykene, in der Argolis-Ebene im Nordosten der Peloponnes gelegen, wird der Herrschersitz und zu einem bedeutenden und reichen Machtzentrum und zur Festung ausgebaut. Nach ihrem Herrschersitz wird diese Volksgruppe Mykener genannt. Kunst und Schrift werden von den Minoern übernommen, ebenso der Brauch, Siegel zu tragen. Neben dem Bronzehandwerk entwickelt sich auch die Steinschneidekunst prächtig. Die mykenische Glyptik hat in der Darstellung von stark bewegten Tierbildern und Tierkämpfen mit Löwen, Hirschen, Ebern und Stieren Außergewöhnliches geleistet. Die zahlreichen Gemmen eines mykenischen Prinzen, die in seinem Kuppelgrab in Vaphio in der Präfektur Lakonien - auf der Halbinsel Peloponnes, nahe der in der Antike mächtigen Hauptstadt Sparta - gefunden wurden, geben einen guten Überblick über die mykenische Glyptik; der verstorbene Prinz dürfte einer der ersten Gemmensammler überhaupt gewesen sein.
Im 12. Jahrhundert v. Chr. verfiel die mykenische Kultur und mit ihr auch die Technik der Gravur in harte Steine, die Glyptik geriet in Vergessenheit.

_________

Die Stempelkunst ging allerdings, als die anspruchsvollen Künste nicht mehr gefragt waren, nicht ganz verloren. Davon zeugen geometrische Elfenbein Siegel aus der Mitte des neunten Jahrhunderts, die auf der Athener Akropolis gefunden wurden und geometrische in weiche Steine geritzte Siegel, die im 8. Jahrhundert v. Chr. bis in die archaischen Zeit gefertigt wurden. Man muss davon ausgehen, dass auch Siegel aus Holz während eines Großteils dieser Zeit in Gebrauch waren. 2
 
 

 



Siegel mit Eberjagd, Lentoid, rot-gelber Jaspis, Durchmesser ca. 2,4 cm,
um 1500 v. Chr., aus einem Grab bei Pylos


© Prof. Dr. I. Pini

 

 

Siegelfäche einer in granuliertes Gold gefassten Gemme aus Knossos/Kreta, 1600–1390 v.Chr
Mensch und Löwe, Lentoid aus Lapislazuli, Ø 1,8 cm
© Foto: Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz
 

      

1. Harte Stoffe ritzen weiche. Diese Einsicht ist Grundlage der Härteprüfung nach Friedrich Mohs,
    die vornehmlich in der Mineralogie zum Einsatz kommt. Mohs, ein Geologe, ritzte verschiedene
    Minerale gegeneinander und ordnete sie nach ihrer Härte.
    So entstand seine Skala, die von  1(Talg)  bis 10 (Diamant) reicht.

2. Dr. Claudia Wagner danke ich für diese Informationen.
 

 

weiter>>

 

 

                             http://www.gemmarius-sculptor.de

© Gerhard Schmidt 2009